LK Erzgebirge

Das Erzgebirge ist in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere Region Deutschlands. Da wäre zunächst der hiesige Dialekt zu nennen, die erzgebirgische Mundart, welche sich ganz erheblich vom sächsischen Dialekt unterscheidet und zuweilen dem Zugereisten einige Verständigungsprobleme offenbaren kann. Teilweise bestehen sogar sprachliche Feinheiten zwischen einzelnen Ortschaften, so dass der Einheimische leicht erkennt, ob jemand beispielsweise aus Seiffen oder Olbernhau daherkommt. Nicht nur wegen der besonderen Mundart verstehen sich die Menschen hier zu allererst als Erzgebirger und erst in zweiter Linie als Sachsen. Denn das Erzgebirge hat neben einer reizvollen Landschaft vor allem kulturell Außergewöhnliches zu bieten. Nirgendwo sonst in Deutschland wird das Weihnachtsfest auf so zauberhafte Weise mit leuchtenden Schwibbögen, Räuchermännern sowie Engel und Bergmann begangen. Die traditionellen Weihnachtsmärkte und die Bergparaden muss man einfach gesehen haben.

Das erzgebirgische Kunsthandwerk bietet eine außergewöhnliche Vielfalt an dekorativen Holzerzeugnissen, die weltweit einzigartig ist und Touristen aus aller Welt in die Region lockt. Hunderte kleine und mittelständische Betriebe entwickeln immer wieder neue, filigrane Holzerzeugnisse auf traditionelle Weise (drechseln) und exportieren diese in die ganze Welt. Aber auch die kulinarischen Spezialitäten machen eine Reise ins Erzgebirge zu etwas besonderem. Ob Rachermaad, Latschen (auch Klitscher oder Fratzen genannt), Buttermilchgetzen oder Pellkartoffeln mit Leinöl, die erzgebirgische Küche ist ohne Ardeppeln, wie die Kartoffeln hierzulande genannt werden, undenkbar. Dies hat seine Gründe in der Vergangenheit, denn die Region war nach dem Niedergang des Erzbergbaus immer auch eine arme Gegend gewesen. So ist es nicht verwunderlich, dass der Erzgebirger als sparsam und gleichsam bodenständig und heimatverbunden gilt. Die Bewahrung traditioneller Werte, der Stellenwert der Familie und der christliche Glaube zeichnen auch heute noch die Kultur im Erzgebirge aus.

Das Erzgebirge ist schon vom Namen her ein Land des Bergbaus. Dabei kam der Reichtum an Silber, Zinn, Kupfer und dem ab 1945 gewonnenen Uran zumeist anderen zu Gute, als den fleißigen Menschen im Erzgebirge. Heute spielt der Bergbau, abgesehen von der seit 1990 laufenden Sanierung der Hinterlassenschaften der Wismut, eine untergeordnete Rolle. Nach der Wende haben sich, neben der positiven Entwicklung im Tourismus, vor allem mittelständische Unternehmen der Metall- und Kunststoffverarbeitung, des Werkzeug- und Maschinenbaus sowie der Elektrotechnik und der Textilindustrie einen Namen gemacht. Nach anfänglich hoher Arbeitslosigkeit und der damit einhergehenden Abwanderung verlassen jetzt wesentlich weniger Menschen ihre Heimat. Wer dennoch geht, tut dies zumeist aufgrund der immer noch häufig niedrigen Löhne. Der demografische Wandel und die damit einhergehenden Nebenerscheinungen wie Kaufkraftverluste, Infrastrukturkosten oder Ärztemangel lassen sich als die größten Herausforderungen für die Zukunft benennen. Dennoch sind sehr positive Entwicklungen erkennbar, wie beispielsweise am Arbeitsmarkt oder bei den Ausbildungsplätzen, die Mut machen, dass dieser schöne Landstrich auch in Zukunft seinen Menschen eine lebenswerte Heimat sein wird. Ich möchte dazu meinen Beitrag leisten.